Home

Die Sonne lachte freudestrahlend über der Anti – AKW - Bewegung...

E-Mail Drucken PDF

24.04.2010. Frankfurt am Main/Biblis. An der Hauptwache zu Frankfurt am Main versammelten sich um 10 Uhr rund 120 Menschen bei sonnigem Wetter mit einer leicht kühlen Brise. Die Demo war von den Linken angemeldet. Eine junge Frau erzählte mir, dass Sie aus dem Wendland kommt und heute zum ersten Mal in Biblis am AKW demonstrieren wird. Mein Gedanke: „Hurra, sogar Unterstützung aus Gorleben, dann kann ja nichts mehr schief gehen.“ Die Stimmung war locker und gelöst. Am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main, Polizei in Kampfmontur. Wir wollen doch nur so schnell wie möglich nach Biblis.

 

Auf dem Bahnsteig stehen noch weitere Menschen, ganze Familien mit Kind und Kegel sind dabei. Schätze es waren so insgesamt rund 200 Menschen, die auf dem Bahnsteig standen. Der RE fährt ein. Er hat 5 Minuten Verspätung. Alle steigen ein. Der Zug fährt los. An jeder Station steigen Menschen dazu, die zur Demo nach Biblis wollen. Einige steigen schon wieder zwei Stationen vorher aus um mit dem Fahrrad zur Demo zu fahren.

Wir kommen in Biblis an. Der RE ist rappelvoll. Menschen mit Fahrrädern, Kinderwagen und Fahnenstangen in allen Größen steigen aus. Der Engpass war die Unterführung. Wir warteten etwa 10 zehn Minuten, bis wir vor der Unterführung kommen. Der Sonderzug aus Basel war vor einer halben Stunde schon angekommen. Leichter Stau am Infopunkt.

Der Demozug der keine Demo war

Wir hatten keine Demo zum AKW Biblis angemeldet. Also gab es eine Duldung. Wir gingen auf den ausgeschilderten Wegen. Wie ein langer Lindwurm laufen die Menschen auf den Wegen durch die Felder. Menschenmassen so weit die Augen reichen. Auf den sandigen Wegen erzeugen sie eine Staubwolke, wie eine Karawane, die durch eine Wüste zieht. Im Hintergrund fährt ein Bus nach dem anderen auf der für uns gesperrten Landesstraße. Am Schluss waren es 63 Busse, mehr als wir erwartet hatten. Auf der Straße dann eine Mischung von Fußgängern, Fahrrädern und Bussen. Nach wenigen hundert Metern können wir abbiegen auf einen Weg, der extra für uns von der Polizei und der Gemeinde Biblis geschottert wurde. Auf einem privaten riesigen Parkplatz konnten wir die vielen Autos unterbringen. Die Polizei hatte im Vorfeld mit dem Eigentümer gesprochen und erreicht, dass uns der Parkplatz zur Verfügung gestellt wurde.

Der Kundgebungsplatz vor dem AKW

Gleich danach verlasse ich den Demozug und fahre mit dem Rad über die private Kraftwerksstraße zum AKW. Der Atombetreiber duldet uns auf seinem Privatgelände, dem Parkplatz. Eine Genehmigung gab es nicht. Ich gehe zum Pressezelt. Mein Einsatzort für heute. Ich merke sofort, dass es goldrichtig war, ein so großes Zelt für die Presse aufzubauen. Hier konnten alle in Ruhe schreiben und Kontakte, Hinweise und Infos von uns bekommen. Die „Schnittchen“ für die Presseleute waren Erdnüsse und Äpfel genau das richtige für das warme und sonnige Wetter. Wir, die Pressegruppe, bastelten an unserer Presseerklärung rum. Gaben auch Infos weiter wo was ist. Die Reden auf der Kundgebung auf dem Parkplatz der RWE habe ich nicht so genau mitbekommen. Danach werden die Menschen in zwei Gruppen aufgeteilt, die einen gingen links rum, die anderen rechts rum. Den „weitesten“ Weg hatten die rund 3.000 FahrradfahrerInnen.

Wir schätzen das rund 20.000 Atomkraftgegner und Atomkraftgegnerinnen gekommen sind. Die Polizei geht von über 10.000 aus. Es ist die größte Demo in Biblis seit 1986. Aus Norddeutschland hören wir, dass dort 120.000 Menschen zur Menschenkette gekommen sind, ungläubiges Staunen bei uns, auch das ein voller Erfolg. Im Pressezelt gratulieren wir uns gegenseitig. In Ahaus sind rund 7.000 zur Demo und Kundgebung am Zwischenlager Ahaus zusammengekommen.

Die Umzingelung von Biblis

Es sind so viele Menschen dabei, das sie zum Teil in dreier Reihen stehen. Sirenengeheul! Alle fallen wie Tod um. Motto: „Sei doch still, du bist doch Tod“. Alles klapp wie am Schnürchen. Die Umzingelung steht! Ein eindrucksvolles, fröhliches, lautes und buntes Zeichen! Nach fünf Minuten stehen alle wieder auf. Viele gehen zurück auf dem Kundgebungsplatz oder gehen zu Ihren Bussen, Autos, Sonderzug und zum Bahnhof zurück.

Der Rückweg

Ich fahre mit Rad zurück zum Bahnhof. Der Sonderzug steht noch. Bald fährt er los. Ich fange spontan an zu klatschen, andere auf dem Bahnsteig machen mit oder Winken dem abfahrenden Zug nach. Auch aus dem Zug heraus winken und klatschen viele Menschen, vor lauter Freude über die tolle Demonstration in Biblis. Nach einer Weile kommt unser RE nach Frankfurt am Main. Die Polizei hatte Einheiten aus ganz Hessen zusammengezogen. Drei Polizisten in der schwarzen Kampfmontur der Bundespolizei waren mal am Bahnhof in Biblis zu sehen. Ansonsten war sie nur wenig sichtbar.

Dank an alle Unterstützer

Die ganze Organisation der Demo in Biblis lief ab, wie eine alte gutgeölte Kirchturmuhr, in der jedes Rädchen ineinander passte ...

Ich möchte mich besonders bei den vielen Helferinnen und Helfer bedanken, die uns an dem Tag schon früh morgens geholfen haben. Manche kamen aus Freiburg und ganz Süddeutschland. Ganz viele haben hart in den Essens- und Getränkeständen geschuftet, bei der Volksküche (Vokü) stundenlang geschnippelt, wir haben so viele leckere Kuchen bekommen, sogar mit der Post, von begeisterten Kuchenbäckern und von Menschen, die noch nie gebacken haben oder eigentlich dass Kuchenbacken hassen. Ein Kuchen fuhr mit dem Zug sogar bis nach Norddeutschland zur Menschenkette. Und Fahnen auf die Stecken gesteckt, sich die Ohren heiß telefoniert, den Verkehr geregelt, mit dem Rad von A nach B gesaust, bei Auf- und Abbau geholfen,... Vieles habe ich gar nicht so mitbekommen, da es so reibungslos funktioniert hat. Das war echt einfach nur schön.

Ein Fazit:

Mit dieser Demonstration in Biblis haben wir mehrfach Anti AKW Geschichte geschrieben. Im Vorfeld der Demo mussten wir gegen die Auflagen vom Landkreis Bergstraße und der Gemeinde Biblis klagen. Sie wollten das wir die gesamten Kosten für die Vorhaltung des Sanitätsdienstes rund 3.000 Euro übernehmen sollten. Vor dem Verwaltungsgericht in Darmstadt verloren wir den ersten Prozess. Wir legten sofort Widerspruch vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel ein. Noch am Freitag vor der Demo setzten sich dort drei VGH - Richter zusammen und entschieden, nach Prüfung der Rechtsgrundlage, für das Demonstrationsrecht. Dieses Urteil ist unanfechtbar. Es hat damit auch bundesweit Bedeutung für alle, die Demonstrationen anmelden.

Eine so breite Unterstützung aus allen Teilen der Bevölkerung hatten wir noch nie. Die Umweltverbände, wie der z. B. der BUND, viele die nicht kommen konnten spendeten Geld. Die ökologischen Energiewerke Schönau finanzierten den Sonderzug mit und warben für uns. Viele Erneuerbare Energiefirmen und Einzelpersonen unterstützen uns mit Spenden. Auch wurden wir von Parteien und Gewerkschaften unterstützt. Auffallend waren die vielen jungen Menschen, die auf der Demo waren und natürlich viele die schon seit über dreißig Jahren für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen, weltweit demonstriert haben. Mit bundesweit fast 150.000 Menschen, die am Samstag vor dem 24. Jahrestag von Tschernobyl demonstrierten, war das die größte Demo, seit wir in Bonn im Hofgarten im Oktober 1979 gegen die Atomanlagen demonstrierten. Die heutigen Proteste zeigen eindeutig, dass die Anti-AKW-Bewegung erfolgreich den Sprung über drei Generationen hinweg geschafft und dabei immer neue Kommunikations- und Aktionsformen entwickelt hat!

Wir werden nicht mehr aufhören gegen die Laufzeitverlängerung von Atomanlagen auf insgesamt 60 Jahre zu demonstrieren. Die spinnen wohl! Die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll ist politisch, gesellschaftlich und technisch über eine Millionen Jahre nicht möglich. Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass so was nicht machbar ist. Seit über 60 Jahren ist keine Lösung gefunden worden. Deshalb, Atomkraftwerke sofort abschalten, weltweit!

Dieter Kaufmann, Arbeitskreis gegen Atomlagen Frankfurt am Main

Share/Save/Bookmark
 

Follow us

Anti-Atom-Umzingelung bei "bewegung.taz"
Anti-Atom-Umzingelung bei "facebook" Anti-Atom-Umzingelung bei "wer-kennt-wen"Anti-Atom-Umzingelung bei "twitter"Anti-Atom-Umzingelung bei "studiVZ"

Atomausstieg sofort!


Südwestdeutsche Anti-Atom-Initiativen
www.atomausstieg-sofort.de

Südwest-Info bestellen

Informationen der südwest-deutschen Anti-Atom-Initiativen
Name:
Email:

Suche

Info-Telefon | EA

0160 - 983 763 04
(Infotelefon)

0611 440 664
(EA – Nur Rechtshilfe!)